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Zum Tod von Francy Boland - JazzEcho

19.08.2005
Francy Boland Big Band
Zum Tod von Francy Boland

Francy Boland

Der belgische Pianist, Arrangeur, Komponist und Big-Band-Leader François "Francy" Boland ist am 12. August 2005 in seiner Wahlheimat Genf seiner Krebserkrankung erlegen. Vor allem als Co-Leader der Kenny Clarke-Francy Boland Big Band (CBBB) sorgte Boland in den sechziger Jahren mit seinen spannenden und mitreißenden Arrangements für Aufsehen. Erst vor kurzem brachte Universal Jazz die drei für MPS eingespielten CBBB-Klassiker "All Smiles", "More Smiles" und "Fellini 712" wieder auf CD heraus. "Alles, was er schreibt, scheint so einfach, so normal; versucht man aber, seine Farben zu enträtseln, so wird das kaum gelingen. Alle Geheimnisse liegen zwischen den Zeilen", sagte einst der Trompeter Benny Bailey.

Nach Abschluß seines Musikstudiums am Konservatorium in Liege (Lüttich), begann der 1929 im belgischen Namur geborene Boland 1949 seine Jazzkarriere. In der ersten Hälfte der fünfziger Jahre arbeitete er in Paris vorwiegend als Arrangeur für Jazzkünstler wie Bobby Jaspar, Bernard Peiffer, Henri Renaud und Fats Sadi. 1955 holte ihn der Trompeter Chet Baker dann als Pianisten in sein Quintett und ebnete ihm so den Weg in die USA. Zwischen 1956 und 1958 lebte Boland in New York und arbeitete dort als Arrangeur für Größen wie Count Basie und Benny Goodman.

1959 kehrte er nach Europa zurück und begann die Zusammenarbeit mit dem in Paris lebenden amerikanischen Bebop-Schlagzeuger Kenny Clarke, der einst Gründungsmitglied des Modern Jazz Quartet gewesen war. Nachdem sie die ersten Jahre mit einem Oktett gearbeitet hatten, gründeten sie 1963 in Köln die CBBB, die mit europäischen Musikern wie Ronnie Scott und Tony Coe, aber auch mit in Europa lebenden Amerikanern wie Art Farmer oder Herb Geller exzellent besetzt wurde. Als Gäste präsentierte die CBBB, die als einer der weltbesten Big-Bands der 60er und frühen 70er Jahre in die Jazz-Annalen einging, auf ihren Alben oft Stars wie Stan Getz oder Johnny Griffin. Nach der Auflösung 1972 leitete Boland mit The Orchestra erneut eine international besetzte Big-Band.

1984 war Boland an der Aufnahme des vielleicht obskursten Album der gesamten Jazzgeschichte beteiligt: Der bekannte amerikanische Songtexter Gene Lees hatte Gedichte von Papst Johannes Paul II ins Englische übertragen und bat Francy Boland um Arrangements für die Plattenaufnahme mit Sarah Vaughan und einem Orchester unter der Leitung von Lalo Schifrin. Aber dieses prätentiöse und pompöse Werk konnte selbst Bolands Raffinesse nicht vor einem Flop retten.

Bis zu seinem Tod war Francy Boland vor allem als Arrangeur und Komponist für verschiedene große Jazzformationen tätig. Er wurde 75 Jahre alt.

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