Der Roma Django Reinhardt war der erste europäische Jazzmusiker, der in den USA nicht nur Anerkennung fand, sondern mit seiner Spielweise dort sogar selbst musikalischen Einfluß ausübte. Obwohl er bei einem 1928 erlittenen Brandunfall die Bewegungsfähigkeit zweier Finger seiner linken Hand eingebüßt hatte, behauptete er sich als atemberaubender Gitarrenvirtuose.
Gemeinsam mit dem Violinisten Stéphane Grappelli war er bis zu seinem Tod 1953 die absolut herausragende Figur der französischen Jazzszene. Duke Ellington, der mit ihm 1946 eine Tournee durch die USA unternommen hatte, nannte ihn "eine der wenigen wirklich einzigartigen Begabungen in der Musik". Die Musik der Zigeunertradition reicherte der originelle Improvisationskünstler, der auch mit Dizzy Gillespie, Coleman Hawkins und dem Saxophonisten Benny Carter gespielt hatte, mit vor allem Swing- und Bebop-Elementen an.
Django Reinhardt kam am 23. Januar 1910 als Jean Baptiste Reinhardt im belgischen Leberchies zur Welt und lernte erst einmal Geige, bevor er sich dem Banjo und schließlich der Gitarre zuwandte. Schon als zehnjähriger Stöpsel verblüffte er seine Zuhörer. Auf den Jazz wurde er angeblich aufmerksam, als er sich von seinem Brandunfall erholte und auf einem Flohmarkt Louis Armstrongs "Dallas Blues" in die Hände bekam. Anfang der 30er Jahre trat Reinhardt in Pariser Cafés auf, wo er 1934 von den Hot Club de France-Chefs Pierre Nourry und Charles Delauney entdeckt wurde. Diese hatten die Idee, ein nur mit Saiteninstrumentalisten besetztes Ensemble zusammenzustellen und stellten Reinhardt den Geiger Stéphane Grappelli vor. So wurde das legendäre Quintette du Hot Club de France geboren, in dem neben Django Reinhardt und Stéphane Grapelli noch Djangos Bruder Joesph und Roger Chaput als Rhythmusgitarristen sowie Louis Vola als Bassist mitwirkten.
Die drei CDs von "Rétrospective 1934-53" enthalten natürlich jede Menge Aufnahmen dieses Quintetts, das ein ganz eigenes Kapitel Jazzgeschichte schrieb, aber auch Einspielungen, die in späteren Jahren mit anderen Besetzungen entstanden. Tatsächlich ist diese 3-CD-Box eine der umfassendsten und besten Django Reinhardt-Anthologien, da sie quasi die gesamte Karriere des viel zu früh verstorbenen Gitarristen. Obwohl Django selbst keine Noten lesen konnte, komponierte er - teils in Zusammenarbeit mit Grappelli - auch eine Reihe von Songs, die zu Jazzstandards wurden: etwa "Nuages", "Daphné", "Manoir de mes rêves" oder "Minor Swing" - von all diesen Songs sind in dieser Box auch Aufnahmen enthalten.











