Frei improvisierend und dennoch ungemein lyrisch gibt sich das Trio Libero des britischen Saxophonisten Andy Sheppard auf seinem gleichnamigen ECM-Debütalbum.
Dass freies, improvisiertes Spiel nicht automatisch in atonale Orgien ausarten muss, daran erinnert einen das Trio Libero des britischen Saxophonisten Andy Sheppard mit seinem gleichnamigen Album. Die Musik von Sheppard, Bassist Michel Benita und Schlagzeuger Sebastian Rochford ist vielmehr geprägt von lyrischem Erfindungsreichtum und emotionaler Tiefe.
Trio Libero in Klausur
“Im Grunde lief es so ab, dass ich mich mit Michel und Sebastian für vier Tage in einem Raum einschloss und sagte: Lasst uns einfach zusammen improvisieren, alles aufnehmen und dann schauen, was dabei herumkommt”, sagt Andy Sheppard. “Natürlich brachte ich auch ein paar Stücke mit. Die waren die Ausgangsbasis für die Band. Wie sich schnell herausstellte, waren wir aber in der Lage ganze Stücke zu improvisieren. Danach verbrachte ich nur noch ein bisschen Zeit mit Harmonisieren und Edieren und so.”
Stilistische Offenheit als gemeinsamer Nenner
Was alle drei Musiker miteinander verbindet und die Zusammenarbeit immens erleichterte: sie hatten sich immer schon stilistische Offenheit auf ihre Fahnen geschrieben. Schlagzeuger Sebastian Rochford gehört zu den jungen Musikern, die mit aufregenden Bands wie Polar Bear und Acoustic Ladyland frischen Wind in die britische Jazzszene blasen. Der in Algier geborene französische Bassist Michel Benita, der als Einflüsse Charlie Haden und Scott LaFaro zitiert, arbeitete u.a. mit Archie Shepp, Dewey Redman, Lee Konitz, Gil Evans und bildete mit Peter Erskine und Nguyên Lê das Trio ELBPeter Erskine. Andy Sheppard machte sich in den späten 1980ern zunächst mit erfrischenden Fusion-Jazz-Einspielungen einen Namen, bevor er unter der Ägide von Mentoren wie George Russell, Gil Evans und Carla Bley weiterreifte. Seit rund 20 Jahren gehört der Tenor- und Sopransaxophonist nun schon zu den originellsten und zugleich populärsten Improvisationsmusikern ganz Europas.
Programm aus Originalen, Kollektivimprovisationen und einem Standard
Für ihr erstes Album stellte das Trio Libero ein Repertoire aus Originalkompositionen aller seiner Mitglieder und Kollektivimprovisationen zusammen. Einzige Ausnahme ist eine Interpretation des Standards “I’m Always Chasing Rainbows”, der auf Frédéric Chopins “Fantasie-Impromptu” basiert und 1946 durch Perry Como zu einem Hit wurde. In jedem Moment und Kontext beeindruckt das Trio Libero durch seine kreativen Interaktionen. Es ist faszinierend zu verfolgen, wie feinfühlig Benita und Rochford auf Sheppards schier unerschöpflichen melodischen und rhythmischen Einfallsreichtum reagieren.










